06 November 2006

Reisetagebuch 2.11.06

Beim Frühstück waren fast alle topfit, ob sie nachts Schnaken gejagt hatten oder in der Musikkneipe waren. Als der Musiker sich dort endlich aufraffte, mit der Gitarre zu spielen, obwohl eine Saite fehlte, steigerte sich die Stimmung im Laufe des Abends. Ein begeisternder Streifzug durch die argentinische Musikkultur.
Um 9.30 Uhr verlassen wir Cafayate zu den Ruinen der Quilmes. Es gibt erstaunlich viele Radfahrer in der Stadt, und auch Campingplätze mit Pool.
Wir fahren nach Süden in die kleinste aber dicht besiedelste und geschichtlich interessanteste Provinz Argentiniens Tucuman. Um uns herum Weinanbau mit Bewässerung, auf der weiteren Fahrt sieht die Gegend aus wie eine Trockenwaldwüste mit knorrigen Sträuchern Ginster, Tamorisielie und Bäumen, vielen Kakteen. Am eindrucksvollsten sind die Kandelaberkakteen, die uns an den Wilden Westen erinnern. Aus dem Holz der abgestorbenen Kakteen werden Kunstgegenstände aber auch nützliches wie Lampen hergestellt. Es ist verboten die grünen Kandelaber abzuholzen.
In einem der wenigen Dörfer spielen die Kinder Fußball, der Friedhof ist sehr aufwendig mit Blumen geschmückt.

Wir kommen im heißen und staubigen Quilmes an, der letzte Hinweis des Reiseleiters „Sonnenschutz aufzutragen“ ist mehr als begründet. Wir sehen vor uns sehr eindrucksvoll die Ruinen einer terrassenförmig angelegten Siedlung bis hoch in den Berg. Dieser zentrale Ort der Quilmes Indianer war Lebenszentrum, Kultstätte, Wohnraum, Festung zur Verteidigung im Kriegsfall. Die Schutzmauer war 2 Meter hoch und 4 Meter breit. Es wurde berichtet, dass die Frauen für die Landwirtschaft, Kindererziehung und Wasserversorgung zuständig waren. Welche gesellschaftliche Stellung sie hatten ist uns unklar. Es war eine Gesellschaft, die hierarchisch aufgebaut war, der Überschuss diente der Vorratshaltung der Gemeinschaft. Es gab kein Privateigentum. Für uns seht im Widerspruch dazu, dass der Museumsführer sagte, die Frauen hätten keine Rechte gehabt.


Die Quilmes lebten seit dem 9. Jahrhundert hier. Sie trotzten erfolgreich den Angriffen der Inkas. Gegen die Angriffe der Spanier führten sie 135 Jahre lang einen Verteidigungskrieg bis sie 1635 besiegt wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren es 5.000 Quilmas, die letztendlich durch Wasserentzug und Gifteinsatz geschlagen wurden. Die letzten 2.000 wurden zu Fuß die 1500 Kilometer nach Buenos Aires gejagt. Davon kamen 400 lebend an. Sie beschlossen sich nicht weiter zu vermehren. Auch wenn nach ihnen eine Stadtteil und ein Bier benannt ist, sind sie ausgestorben.
Zur weiteren Besichtigung stiegen wir den ursprünglichen Pfad durch die Reste der Siedlung auf den Berg und hatten einen beeindruckenden Ausblick auf die Festung und Lebensraum.

Danach genossen wir die Fahrt im klimatisierten Bus nach Salta mit Mittagspause in Cafayate. Auf dem Rückweg konnten wir nochmals die herrliche Landschaft durch die wir schon am Vortag gefahren waren nochmals entspannt genießen. Unser argentinischer Begleiter Raffael wünschte sich von uns Bella chio und lernte uns ein Lied aus dem Argentinazo.

„Carte de ruta
Paso nacional
Argentinazo
gobierno popular“

Unser Bericht endet hier, weil wir uns jetzt zur Erholung mit unserer Reisegruppe in einer der gemütlichen Kneipe treffen.