09 November 2006

Reisetagebuch 06.11.06

Im tropisch heißen San Pedro de Jujuj begrüßten uns die Companeros von der CCC. Das Asado wird von einer Gruppe von Männern und Frauen schon vorbereitet, Kartoffeln werden geschält, Gemüse geschält... Chupe, ein Aktivist und Arbeiter der Zuckerfabrik erzählt uns die Geschichte der Zuckerfabrik La Esperanza. Sie sollte geschlossen, das haben die Arbeiter durch die Besetzung des Betriebes im Jahr 1999 verhindert. Dies war die erste Betriebsbesetzung in Argentinien und ein wichtiges Signal.

Auf dem Weg durch die Stadt lädt uns ein Cafebesitzer zu Limonade und Kaffee ein. Von der ersten Reisegruppe aus Alemania hatte er nichts mit bekommen, sonst wäre sie auch zu diesem Genuss gekommen. Wir bedanken uns mit einem Ständchen „Dem Spender sei ein Trulala- das Cafe, das ist wunderbar.“ Nach diesem angenehmen Zwischenstopp fahren wir weiter zur Zuckerfabrik, unterwegs begegnen uns Arbeiter auf Fahrrädern und Mopeds.

270 sind ständig beschäftigt, vor zwanzig Jahren waren es noch 900, 1200 Kollegen teilen sich die restlichen Arbeitsplätze. Voller Spannung auf die Besichtigung wird uns jedoch der Zugang verwehrt - mit der fadenscheinigen Begründung, es wäre nicht sauber genug und die Ernte sei gerade zuende.

Nach einem leckeren Asado gibt es einen lebendigen Erfahrungsaustausch, zwischen uns und den anwesenden Kollegen und Kolleginnen, der munter noch 2 Stunden hätte weitergehen können. Von Frauentreffen in Jujuy bis zur Lage und dem Kampf in den deutschen Grossbetrieben und der Lage der Jugend reicht die Palette. Die argentinischen Freunde bekommen auch ein besseren Eindruck vom Leben und Kampf in Deutschland. Einer verfasst es zusammen mit den Worten, mein Bild über Deutschland hat sich verändert durch die Diskussion.

Wir singen noch drei Lieder und im Bus mit den mitfahrenden Companeros „Ole, Ole – Ole,Ola. Corte de ruta ( Besetzt die Strasse) Paro nacional ( Generalstreik), Argentinazo Y goblierno popular ( Volksregierung). Nach einer kurzen Busfahrt stehen wir vor der größten Zuckerfabrik Südamerikas Ledesma. Melassegestank schlägt uns entgegen, Fliegen, die der Konzern einschleppen liess zur Schädlingsbekämpfung umschwirren und stechen uns. Durch das Verbrennen der Blätter der Zuckerrohrpflanze wird das Klima zusätzlich angeheizt, Feinstäube führen zu vermehrten Lungenkrankheiten. Der Konzern besitzt große Teile der Region, so dass für die Bevölkerung nicht einmal mehr Platz für ihre Friedhöfe und Häuser. Riesengroß ist hingegen das rosa Herrschaftsgebäude der Besitzer. 400 Kollegen verschwanden schon vor der Militärdiktatur während eines herbeigeführten Stromausfalls, 400 sind bis heute verschwunden.

Deshalb war es von großer Bedeutung, dass gerade hier 1996 eine der ersten großen Strassenblockaden stattfand. Innerhalb einer Woche schwoll die Zahl von 2000 auf 15 000 Teilnehmer an. Zum ersten Mal Nach der Militärdiktatur konnte der Widerstand trotz massivem Polizeieinsatz nicht gebrochen werden, das Volk setzte sich durch- auch das war ein wichtiges Signal für ganz Argentinien.

Auf der Rückfahrt verabschieden wir uns herzlich, mit Küsschen, kleinen Geschenken und unserem Hit „Mamorstein und Eisen bricht“ von Marcela, die uns als Reisefuehrerin mit durch die Woche begleitet hatte. Unser Busfahrer Oscar erhaelt ein spezielles Staendchen mit dem Lied des argentnischen Komponisten Raul Barbossa auf dem Akkordeon und liess und mit seinen schon fast philospischen Bemerkungen zum Abschied nochmals einen tiefen Einblick in die Mentalitaet der Menschen im Norden Argentiniens nehmen.