Reisetagebuch Patagonien 11.11.06
Tagesausflug auf dem Lago Argentino zu den Gletschern
Start um 7:30 Uhr mit dem Mini-Bus von El Calafate nach Puerto Bandera. Die Sonne lacht. Es ist schon angenehm warm und relativ windstill. Wolken hängen nur in den weißen Gebirgshöhen der unteren Ausläufer der Andenkette. In großer Weite zieht sich die gelblich-grüne und topfebene Grassteppe von den Ufer des Lago Argentino zu den Gebirgshängen. Wir sind nicht allein. Hunderte von anderen Touristen warten mit uns am Hafen auf die schnellen hochmodernen Katamaran-Schiffe. Mit zeitweise über 40 km/h schnell jagt das Schiff über das anfangs türkisgrüne, später graublaue Eiswasser des Lago Argentino.
Dieser See ist 2-mal so groß wie der Bodensee. Es geht zu den Hauptattraktionen, den Gletschern und den vorbeischwimmenden Eisblöcken. Diese blauschimmernden Eisschollen und von Furchen durchzogene Eisberge, die uns an die Farbe der blauen Eiskugeln der Heladeria (Eisbude) erinnern, brechen an den Ausläufern des „Glaciar“ ab und werden vom Wind über den Lago Argentino getrieben. Der See hat keine Strömung und so kann es trotzdem passieren, dass Eisberge über 60 km bis El Calafate driften. Auch kann ein Haufen schwimmender Eisberge enge Passagen des Sees verstopfen und das Wasser dann bis zu 25 Meter hoch stauen, bevor dieser Damm bricht. Letztmals war das 2004, begleitet von großem Medienspektakel.
Das Patagonien, das wir hier sehen, wird seit über 10 Jahren zu einem modernen touristischem Magneten ausgebaut. Nordamerikaner, Brasilianer, Spanier, natürlich auch Argentinier aus allen Teilen des Landes kommen hier gerne her, um sich diese Wunder der Natur anzusehen. Das hat natürlich auch seinen Preis, den sich nur die Reichen leisten können. Um die Infrastruktur aufrecht erhalten zu können, muss fast alles hier her transportiert werden.An der Reling stehen Scharen von Fotografen und Filmenden. Sie springen aufgeregt von links nach rechts und schnell wieder zurück, um die besten Motive zu erhaschen.. Ein Digitalfotograf brennt die von ihm geschossenen Bilder bis zur Rückfahrt auf CD, ein modernes Souvenir.Mit andächtigem Blick auf das Kielwasser kommentieren zwei ältere argentinische Damen: „Aqua natural – sin cloro“ (natürliches Wasser – ohne Chlor). In Argentinien kommt fast landesweit nur gechlortes Wasser aus den Hähnen, das so streng riecht wie in unseren Hallenbädern.
Nach langer Fahrt im „Parque National Los Glaciares“ (Gletscher-Nationalpark) und einem Zwischenstopp am Spegazzini-Gletscher geht es wieder zurück und in ein Seitental hinein zur Bahia Onelli.Wir verlassen das Schiff und marschieren mit Hunderten zum Picknick durch einen grünen Wald, ein längerer Querweg zum Gletscher Onelli. Wir kommen direkt am Ufer eines Gletschersees an, auf dem zig größere und kleiner Eisblöcke treiben. In der fast schon heißen Mittagssonne verzehren wir unsere Lunchpakete im Schatten und testen danach mit Hand oder auch Fuß die Wassertemperatur des Sees.In der Höhe können wir Kondore beobachten die den Aufwind nutzen, um sich hochzuschrauben und zu segeln.
In diesem Wald grüner „Lengas“, Bäume die nur hier oder in Australien wachsen, wachsen Beeren ähnlich der Preiselbeere, sowie die Calafate, eine intensiv gelb blühende Berberitze, aus der die Einwohner hier köstliche Marmelade machen und die der Stadt der Namen gegeben hat .An den Bäumen hängt die „usnea“, Flechten welche als Bärte der alten Männer benannt sind.
Nach dem Rückmarsch zum Schiff Fahrt zum größten Gletscher dem „Glaciar Upsala“. Mit 60 km Ausdehnung und 5-7 km Breite in einem verzweigten Tal ist er der längste in Südamerika. Haushoch ragt die zackige und blaugrau schimmernde Wand des Gletschers über die Oberfläche des Sees.Wir hören, dass dieser imposante Gigant in den letzten 50 Jahren um 15 km zurückgegangen ist und weiter gehen wird. Das Abschmelzen, das viel bestaunte Kalben des Gletscher, das Naturschauspiel des Abbrechens von Eisblöcken, sind aber unbestreitbar Bestandteil des Fortschreitens der globalen Klimaerwärmung. Angesichts dieser Naturschönheit und „unberührten“ Landschaften gibt das nicht nur uns zu denken und Ermutigung sich noch engagierter gegen die globale Umweltzerstörung und für den Erhalt der natürlichen Umwelt einzusetzen.


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