09 November 2006

Reisetagebuch 07.11.06

Heute ist Dienstag. Unser Flug nach BsAs geht schon um acht. Deshalb heißt es früh aufstehen. Um 6.15 Uhr ist Frühstück in Salta. Der Bus steht pünktlich 6.45 Uhr vor dem Hotel. Der Check in geht total unbürokratisch von statten. Innerhalb von 30 min haben alle 29 Personen ihr Gepäck aufgegeben und die Tickets in der Hand. Wie üblich breitet sich bei wenigen Teilnehmern die Flugangst aus. Aber nach unseren bisherigen Erfahrungen wächst langsam ein Vertrauen in die Piloten. Der Flug verläuft ohne Probleme.

Um 10 Uhr Ankunft im deutlich kühleren Buenos Aires. Mit dem Bus geht’s zum Hotel. Dort trennen sich die Wege der Teilnehmer und jeder gestaltet den Tag nach eigenen Wünschen. Einige besuchen die Streikenden eines Krankenhauses. Für die Presse in Deutschland wird direkt diese Korrespondenz geschrieben:

"Buenos Aires. Seit fünf Monaten stehen die Arbeiter, Pflegekräfte, Reinigungskräfte des Krankenhauses im selbständigen Streik. Er ist in Buenos Aires ein Politikum ersten Ranges, da er sich gegen die Kirchnerregierung richtet. Inmitten einer Traube von 50 Streikenden, Patienten und Besuchern berichtet David Garuti, der Streiksprecher gegenüber Teilnehmern einer Reisegruppe von people to people.

Der Kampf begann bereits im letzten Jahr. Eine Investorengruppe unter direkter Führung des Premierministers brachte die gemeinnützige Einrichtung, in der 1340 Arbeiter und 400 Ärzte arbeiten unter ihre Kontrolle. Es wurden keine Beiträge mehr in den Fonds für die Betriebsrente, die einzige Altersvorsorge einbezahlt. Dagegen wehren sich die Kollegen. Sie fordern eine Erhöhung der Löhne um 20 Prozent, damit sie überhaupt das Existenzminimum für eine Familie erreichen und eine Verbesserung des Lohngefüges.

Sie kämpfen für die 35 Stundenwoche. Der von der Regierung eingesetzte Verwalter verfügte erste Entlassungen und die Schließung einzelner Abteilungen. Das sehr beliebte Krankenhaus, zu dem viele Leute eine persönliche Verbindung haben, soll in den Bankrott getrieben werden. Die Kollegen kämpfen deshalb auch für die Eingliederung des Krankenhauses, zu dem auch ein Altenheim gehört, in das öffentliche Gesundheitswesen.
Seit Mai streiken die Kolleginnen und Kollegen. Die Mehrheit sind Frauen, auch einzelne Ärzte beteiligen sich. Sie haben auch schon die Strasse vor dem Gesundheitsministerium blockiert. Der Streik wird von der Gewerkschaftsführung nicht unterstützt. „Nicht ein Glas Wasser haben wir von da bekommen!“ - so David Garuti. Breite Unterstützung - auch für den selbstorganisierten Streikfond erhalten sie hingegen aus der Bevölkerung, von Patienten, Gewerkschaftern, verschiedenen politischen Parteien. Am 9.10.06 kam es zu einer dramatischen Zuspitzung. Während einer der Streikversammlungen, auf denen alles entschieden wird, wurden bewaffnete Provokateure eingesetzt, was auch das Fernsehen dokumentierte. Auch um seine eigene schäbige Rolle zu vertuschen, behauptet der Regierungschef, die Provokateure wie die Arbeiter seien gemeinsam Schuld und ließ gegen sechs Kollegen Anklage erheben. Die Kollegen fordern die Niederschlagung dieser Anklage. Sie kämpfen weiter mit großer Entschlossenheit gegen die angekündigte 40 prozentige Lohnkürzung und Arbeitszeitverlängerung und für die Auszahlung der einbehaltenen Löhne.
Heute werden sie eine Demonstration und eine weitere Strassenblockade durchführen. Von besonderer Bedeutung ist, dass sie zehn bereits gekündigte Kollegen wieder in den Betrieb holen konnten. Was lag da näher, als auch von ähnlichen Erfahrungen des Kampfes am Klinikum in Duisburg zu berichten. Auch unsere Berichte über das Gesundheitswesen und die Kämpfe in Deutschland werden herzlich und zustimmend aufgenommen. Buttons finden sich gleich an der Arbeitskleidung der Kollegen wieder, die Streiktüte wird an gezogen. Ein lebendiges Beispiel internatonaler Solidarität und herzlicher Verbundenheit. Die Kollegen bitten uns, ihren Kampf breit bekannt zu machen.
Spenden für den Streiksfond sind möglich an: Cuenta Banco Nacion Suc. San Cristobal 0091 , No. 6560113335/6.
Wir drücken uns gegenseitig in einem bewegenden Abschied."

Auch auf der Website der Gewerkschaft Ver.di erscheint ein Bericht und weitere Fotos:

Bericht: http://gesundheit-soziales.verdi.de/
Fotos: http://gesundheit-soziales.verdi.de/archiv/bilder_buenos_aires/defaultView?rnd=2733404.62123

Abends fuhren einige noch nach San Telmo. Geplant war Abendessen und ein Tangoabend. Eine andere Gruppe war noch in BsAs zum Abendessen. Die ganz müden blieben im Hotel und tankten neue Kraft.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

BsAs hat übrigens einen sehr schönen Zoo. Gegenüber ist der Botanische Garten , für den man sich gut 2std. Zeit nehmen sollte. Der eigenwillige japanische Garten unterhalb des Zoos ist durch einen Strassentunnel zu erreichen , wo interessante Bilder auf beleuchteten grossen Kieselsteinen an die Militärdiktatur und die vielen verschwundenen Menschen erinnern. Wenn also mal ansteht an einem freien Tag ein wenig dem Lärm und Abgasgestank in BsAs zu entwischen, ist die Ecke um den Zoo eine gute Alternative.

26/11/06 19:34  

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