14 November 2006

Reisetagebuch Patagonien 12.11.06

Der gestrige Abend wurde von unseren Mitreisenden unter 35 Jahren noch für ein Bad in unserem hoteleigenen Whirlpool genutzt. Der Hotelchef heizte uns das Wasser noch mal so richtig auf. Entspannung pur! Für unseren Geschmack sah das Wasser natürlich direkt etwas dreckig aus und wir erfuhren, dass es das Wasser des Lago Argentino ist.

Heute morgen 7 Uhr Abfahrt am Hotel. Unser Guide für heute ist Lukas. Ein sehr netter, gut Englisch sprechender Einheimischer. Mit einem Kleinbus fahren wir zum „Los Glaciares“ Nationalpark. Während der Fahrt berichtet Lukas, dass der Niederschlag in dieser Gegend unter 300mm im Jahr ist und es deshalb nur wenig Pflanzen und Bäume gibt. Doch während der Fahrt - wer hätte es gedacht - ein paar Regentropfen auf der Frontscheibe! Wir lachen und Lukas meint, wir wären schon in einer Gegend mit bis zu 600mm pro Jahr angekommen.
Auf einmal entdeckt Lukas auf der rechten Seite ein paar Kondore. Wir halten an und steigen aus. Ein totes Schaf lockt die riesigen Vögel an. Lukas erzählt, dass zur Zeit die Pumababys das jagen lernen müssen. So kann es vorkommen, dass in einer Nacht 4-5 Pumas 15-20 Schafe reißen. Um zu üben! Die Kondore sind Aasfresser und freuen sich über die Reste der Pumas. Die Bauern und Schäfer sind natürlich unzufrieden mit dieser Situation, aber die Pumas sind geschützt und dürfen nicht gejagt werden. Allerdings wird dies nicht kontrolliert und verfolgt.

Im „Los Glaciares“ Nationalpark befindet sich einer der größten Gletscher dieser Gegend – der Perito Moreno Gletscher. Er ist nach einem Landvermesser und Abenteurer benannt, der zum ersten Mal eine Landkarte dieser Gegend aufzeichnete. Wir verbrachten gute zwei Stunden in der Gegend rund um den Gletscher. Die Eindrücke, die man dort gewinnt sind kaum zu beschreiben! Direkt vor uns eine 60 Meter hohe Eiswand. Sie liegt auf dem Wasser. Täglich schieben die Eismassen von ca. 15 km Gletscher die Front um 1,5 m nach vorne. Das bedeutet, dass täglich vorne 1,5 m des Gletschers abbrechen und ins Wasser fallen. Unglaubliche Geräusche! Ständig knackt und knallt es. Alle starren wie gebannt auf das Eis und warten darauf ein großes Stück abbrechen zu sehen. Ein paar Mal können wir diesen Vorgang beobachten. Wir sind erstaunt über uns selbst, weil wir laut aufschreien bei diesem Anblick. Aber es ist einfach so faszinierend und ergreifend! Wir nutzten die Zeit im Nationalpark für eine kleine Wanderung (auch „Spaziergang“ genannt), um unsere müden Knochen wieder in Schwung zu bringen!

Gegen 13 Uhr waren wir zurück in Calafate. Dort machten wir noch einen kleinen Bummel durch die City, bevor uns der Bus zum Flughafen abholte. Der Check-in verlief mal wieder reibungslos und gegen 16 Uhr saßen wir im Flieger. Ein ruhiger Flug von gut einer Stunde erwartete uns. Gegen 17 Uhr erreichten wir also die angeblich südlichste Stadt der Welt – Ushuaia! Jetzt sind wir nur 4000 km vom Südpol entfernt! Zum ersten Mal auf dieser Reise checken wir in ein Hotel ein, in dem wir drei aufeinander folgende Nächte verbringen! Alle freuen sich darauf!Um 20 Uhr verabreden wir uns zum gemeinsamen Essen. Ein Teil der Gruppe lässt den Tag bei einer argentinischen Pizza, ein anderer Teil bei frischem Fisch in einer netten Hafenkneipe ausklingen.