Reisetagebuch Patagonien 13.11.06
Der Tag kündigte sich mit Regenschauern an. Die Berggipfel sind vom Neuschnee gepudert. Als wir um 8:30 Uhr losfuhren, war es zum Glück trocken. Windjacke, Handschuhe und Stirnband – wir sind gerüstet für den Nationalpark „Tierra del Fuego“.Auf der Fahrt erfahren wir einiges über Ushuaia. Nachdem die Urvölker hier völlig ausgerottet wurden, lebte lange Zeit kaum einer mehr in diesem unwirtlichen Gebiet. Die Regierung richtet in Ushuaia von 1906 bis 1947 ein großes Gefängnis ein. Dort wurden die Schwerverbrecher inhaftiert. Sie bauten die südlichste Eisenbahn, bauten ein Elektrizitätswerk auf und rodeten viele Wälder ab, für den Häuserbau. So schufen Sie die Grundlage für die heutige Stadt. 1972 lebten hier immer noch nur 5.000 Menschen. Die Regierung senkte die Unternehmenssteuer, Unternehmen siedeln sich hier an und den Arbeitern wurden höhere Löhne bezahlt. Die Stadt wuchs auf 70.000 an (heutiger Stand).
Der Wald im Nationalpark ist grün – wir fahren in eine grüne Lunge rein. Wir sind alle etwas verwundert, wir haben uns auf Eis- und Gletscherwanderungen eingestellt. Hier laufen wir durch einen grünen Wald, mit zwitschenden Vögeln und vorsichtig sprießenden Frühlingsblumen. Neugierige Hasen am Wegrand empfangen uns freundlich. Das Wetter ist noch kalt. Im Sommer werden es durchschnittlich 10 C warm, 18 Stunden scheint hier dann die Sonne. Im Winter ist es nur 1 C warm, die Sonne blickt sich nur 8 Stunden täglich. Im Nationalpark „Lago Argentino“ (12.11.) erlebten wir die Eiszeit. Im heutigen Nationalpark erleben wir erdgeschichtlich eine Landschaft nach der Eiszeit. Seit 10.000 Jahren ist das Inlandeis weg. Das Ergebnis sind die vielen Seen, Bäche und Moore die wir im Park genießen können.
Nach einer kurzen Mittagspause ging es dann in den Hafen. Dort startet unsere Expedition in den Beagle-Kanal. Wir segeln auf historischen Gewässern. 1813 segelte Darwin auf dem Schiff Beagle hier entlang, vom Atlantik zum Pazifik. Mit voller Spannung segeln wir auf eine kleine Inselgruppe zu. Hier stehen Hunderte von Pinguinen und schauen uns ganz neugierig an. Als wir näher kamen entpuppten sich die Pinguine als Kormorane – wir sind auch so sehr happy! Am besten war der Halt vor einer Insel mit einer Großfamilie von Seelöwen. Sie lagen ganz faul auf den warmen Felsen – sie sehen aus wie Kuscheltiere. Herrlich. Das Schiff fährt ganz nahe an den Felsen heran. Mindestens 100 Leute drängeln sich an der Reling. Alle sind ganz andächtig und mucksmäuschen still bei diesem Anblick. Diese wunderbaren Tiere und diese herrliche Natur möchten wir erhalten. Bei dem wachsenden Ozonloch und dem Wunsch einer US-Firma die Wälder hier abzuholzen, ist das nicht selbstverständlich.Diesen herrlichen Tag ließen wir beim Essen und einem Bierchen im Che-Zentrum von Ushuaia ausklingen.


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