15 November 2006

Reisetagebuch Patagonien 14.11.06

Fahrt von Ushuaia auf der Ruta 3 nach Nord-Osten an den Lago Fagnano.

Ein Teil der Gruppe fuhr an einem mäandernden Flüsschen mit Hochmooren und Torfabstich vorbei. Unsere Führerin Inés erzählte uns, dass hier an den Wochenenden viele Bewohner aus Ushuaia Picknick machen. Nächster Halt war bei der Husky-Zucht. 100 Hunde heulten und jammerten, weil sie zur sommerlichen Kutschenausfahrt ihres männlichen Leithundes dabei sein wollten. In diesem Tal wird im Winter auch Skilanglauf und sogar Biatlon gemacht. Nebenan ist das Alpin-Skizenter mit einer modernen Liftanlage und insgesamt 20 km Pisten. Hier trainieren auch europäische Skimannschaften, weil sieben Monate lang Schnee liegt, und das, wenn in Europa Sommer ist. Die Hütten-Hotels sind geräumig, fest Holzbauten, bestückt mit alten Fotos, Skiern, Trophäen, Expeditionsfotos der Antarktis (1965 erreichte erstmals ein Argentinier den Südpol) und dem obligatorischen offenen Feuer, das schon früh morgens brennt. Sehr gemütlich, ohne Kitsch!

Oben auf der Pass-Strasse, der einzigen Andenüberquerung innerhalb Argentiniens, ein Kondor! Das Jungtier schwebte bis zu drei Meter heran, zur Verblüffung der meisten, die gar nicht so schnell ihren Fotoapparat zücken konnten. Wir wanderten dann herunter zum Lago Fagnano, wo uns der Bus wieder aufsammelte. Die Landschaft hat etwas von der norwegischen Fjordlandschaft auf Grund der ausgewaschenen ehemaligen Gletschertäler, der Weitläufigkeit und den fjordähnlichen Seen. Auf der Rückfahrt gab es zartestes Lamm-Asado. Für alle gesunden Därme (und Nicht-Vegetarier) ein Genuss!

Unsere Führerin Inés, aus ursprünglich aus Buenos Aires und hier als freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Touristikunternehmen tätig, war sehr auskunftsfreudig. Ushuaia hat eine Arbeitslosenquote von 7%, obwohl von einstmals 100 Betrieben nur noch in 12 produziert wird. Der Grund ist ziemlich brutal, denn das Klima macht es unmöglich, hier ohne feste Wohnung, warme Kleidung und Heizung zu überleben. Trotzdem demonstrieren hier täglich Frauen unter Führung der CCC gegen die Arbeitslosigkeit. Obwohl Ushuaia eine Hochburg des Tourismus ist, arbeiten 40% in der Verwaltung, weil Ushuaia die Provinzhauptstadt ist.